Ego-Shooter greift politische Situation auf

Nun bekämpfen wir die Nazis, wenn auch nur in der virtuellen Welt. Im Ego-Shooter Spiel «Wolfenstein» kämpft der Gamer gegen Nazis. Eine strenge politische Situation wird hierbei aufgenommen, was ultrarechte weiße Gamer kritisieren.

In dieses alternative Geschichtsszenario, bei dem am 21. Dezember 1948 der Zweite Weltkrieg im vollen Gange ist, schaffen es die Nazis eine Atombombe über Manhattan abzuwerfen. Der Krieg ist zu Ende, die US- Regierung kapituliert und die Nazis haben gewonnen.

Der Gamer kämpft in der Rolle des US-Bürgers B. J. Blazkowicz Anfang der 60er-Jahre gegen ein schreckliches Amerika, das von Nazis besetzt wurde. Als die Fortsetzung des Kultspiels in diesen Sommer offiziell angekündigt wurde, riefen im Zuge dessen ultrarechte Gamer und dergleichen zu einem Boykott des Spiels auf. Hasserfüllte Kommentare, wie dass das Spiel eine Ideologie verbreiten würde, die sich gegen Weiße richte, blieben natürlich nicht aus. Weitere Argumentationen, dass Spiele gefälligst unpolitisch zu sein hätten, kursierten ebenfalls.

«Wolfenstein» gilt als Begründer des Ego-Shooter-Genres und weist eine lange Tradition auf, denn das Original erschien bereits 1992 und bis zum heutigen Tag wurden acht Nachfolger veröffentlicht, weshalb man die Kontroverse jetzt nicht ganz nachvollziehen kann.

Das politische Klima hat sich verändert, nicht das Spiel

Nun haben wir mit Donald Trump einen Präsidenten im Amt, welcher rechtsextreme Ansichten stillschweigend hinnimmt, wenn nicht selbst äußert. Gegen Nazis zu sein, das scheint in Trumps Amerika nicht mehr so selbstverständlich.

Die politische Brisanz ihres Spiels ist den Entwicklern von „Wolfenstein 2“ durchaus bewusst. Sie gingen Anfang Oktober noch weiter. Auf Twitter warben sie für ihr Spiel mit den Worten «Make America Nazi Free Again».

In dem Spiel selbst wird die politische Situation in den USA aufgegriffen. Des Weiteren trifft man in der Spielwelt auf verschiedene Zeitungsausschnitte, in denen vor einem „völligen Idiot“ gewarnt wird, der ins Weiße Haus einziehen könnte.

Es gibt eine Szene, die den Spieler in ein US-Kleinstadtidyll versetzt, in welchem auf den ersten Blick alles perfekt scheint, doch bei genauerem Betrachten sieht man flatternde Hakenkreuzfahnen an den Fassaden der Häuser und Menschen die in Ku-Klux-Klan-Montur durch die Straßen laufen. Es ist auch eine junge Dame zu sehen, die sich bei einem Nazi-Offizier einschmeichelt, sie beklagt sich über die vergangene „Urwaldmusik“. Farbige sind auf den diesen Straßen weit und breit nicht zu entdecken, da sie auf den Feldern arbeiten.

Wenn schon Gegner, dann Nazis

Die Gegner in den Uniformen werden entmenschlicht und zum Abschuss freigegeben. Die Identität bleibt verborgen, wie die Feinde des Dritten Reichs.

Das allererste Ego- Shooter Spiel überließ die Entscheidung über den Gegner nicht dem Zufall. Die Entwickler wählten bedacht die Nazis als Zielscheibe für dieses Spiel aus, denn sie wollten ein Ballerspiel kreieren, in dem zwar Menschen als Gegner auftauchten, doch bei den Nazis bekämpft man eher das personifizierte Böse, als einen normalen Menschen. Außerdem war es weniger kontrovers, auf solche Radikalen als auf unschuldige Menschen zu schießen.

Einer der Entwickler von «Wolfenstein 2» wiederholt ein Argument, welches er schon 25 Jahre vorher aussprach: «Es geht darum, Rache an diesem menschlichen Abschaum zu nehmen. Es fühlt sich richtig gut an, zurückzuschlagen», sagte er in einem Interview.

(Visited 14 times, 1 visits today)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *